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Zuchtgeschichte Kläre Geißler

Zuchtgeschichte

Vor mir liegt das Zuchtbuch 1948/49. Es ist kein vorgedrucktes Zuchtbuch, denn die gab es damals nur selten. Ein einfaches Rechenheft ist es. Auf Seite 9 stehen folgende Eintragungen: "Gretel", Kl. Chin Tochter von Nr. 7 /16/4.7.9 gedeckt am 4.4.1949, Rammler "Prinz" T133/3.8.33. Geworfen am 6.5.1949, 3 Stück, dazu 2 von "Schwärzel" zur Aufzucht gegeben.

Man sieht es den Aufzeichnungen an, dass sie schnell im Stall so zwischen den Arbeiten notiert wurden. Was man den Eintragungen nicht ansieht, ist der Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte der Kaninchenzucht: Die Wieder- bzw. Neuentstehung einer Rasse. Doch davon ahnte ich damals noch nichts.

Die drei kleinen dicken Würstel mit den prallen Bäuchen waren für mich Kl. Chin. Nur 3 Stück, etwas wenig, aber auch wieder gut. Die Alaskahäsin "Schwärzel" hatte am 29.4. 7 Stück geworfen. Geben wir also davon der "Gretel" 2 Stück, denn sie ist eine gute besorgte Mutter und beste Säugerin. Außerdem kann ich unbesorgt sien, was "Gretel" nach der Nestkontrolle liegen hat, zieht sie auch auf. Wohl geborgen und treulich versorgt, wächst das neue Leben heran. Unter 4 Wochen dürfen die Kleinen bei "Gretel" nicht aus der Höhle. Nest kann man nicht sagen, denn "Gretel" baut immer eine richtige Höhle mit Gang und nur schwer kann man zur Nestmulde gelangen. Der ganze Wurfstall ist bis zur Decke vollgestopft und den Gang sopft sie selbst fest zu. Wenn von anderen gleichaltrigen Würfen die Kleinen schon in den Ställen umherflitzten zeigt sich bei "Gretel" noch nichts, Vorwitzige werden oft genug energisch zurückgeschickt. Auch diesmal war es wieder so. Die 5 Schwärzelkinder, tiefschwarz, glänzende Bällchen mit breiten Köpfen flitzten schon munter im Stall umher. Ob sie wohl so schön werden wie "Teufel", ihr Vater? Alaska waren zu jener Zeit meine Haupt- und Lieblingsrasse.

Eines Abends sehe ich in "Gretels" Stall etwas Dunkles huschen. Nun aber mal aufpassen! Ob sie wohl größer sind als die Kleinen bei "Schwärzel"? Ganz still stehe ich da und schaue. Un da - ein Köpfchen schiebt sich heraus, und dann, dass ganze Kerlchen springt heraus! Und - mir ist, als hätte ich eineen Schlag bekommen, denn meine stolzen Hoffnungen, der teure Rammler, die Schwierigkeiten seiner Beschaffung, Gedanken, Empfindungen kreisen blitzschnell, denn was ich da sehe ist kein Alaska, das ist - nein, allein kann ich damit nicht fertig werden: "Vati! Komm schnell! Mit "Teufel" ist es nichts, die Kleinen bei "Gretel" haben weiße Haare, sind überhaupt nicht schwarz!"

Eine riesengroße Enttäuschung steigt in mir auf, Tränen fließen. Beide stehen wir vor dem Stall und warten. Ganz plötzlich kommt es da angerollt - steht da - ein prächtiges tiefschwarzes Alaskakind. Und gleich dahinter: "Da siehst Du, schwarzgrau und weiße Haare!" Husch ist es wieder weg - wieder da. Aber was ist das? Da ist noch ein Schwarzes und ich hatte doch nur zwei Alaska untergelegt!

Da stimmt etwas bei den Chinchilla nicht. Der Sache muß im wahrsten Sinn des Wortes auf den Grund gegangen werden, was bei "Gretels" Höhle gar nicht so einfach ist. Das Ergebnis: 2 prächtige Alaskakinder, 2 mattschwarze Tierchen mit hellen Ohrrändern und hellen Haarspitzen, das ist es, was beim Umherhuschen festzustellen ist und ein Kl. Chin. Die Spannung löst sich.

Lieber guter, schöner "Teufel" und guter Züchter, ich bitte im Stillen um Entschuldigung wegen meiner so bösen Gedanken - alles ist in Ordnung! Aber nein - ist es doch nicht! Der neue Kl. Chinrammler? "Ach laß doch, der ist so prächtig und stammt aus einer guten Zucht, es liegt wohl an "Gretel", wir werden ja weitersehen!"

Und wir sahen weiter! Einige Zeit später wurde ein Teil der Höhe entfernt. Die kleine Gesellschaft war nun besser zu beobachten. Was waren die kleinen Fremdlinge doch für reizende Geschöpfe! Schwarze, überstehende Grannen mit weißen Spitzen hüllten wie Flaum die kleinen Körper ein, dazu als Kontrast die hellgesäumten Ohren, die hellen Einfassungen der Kinnbacken und Nasenlöcher. Und wenn sie Männchen machten, leuchtete das helle Bäuchlein. Jeden Tag entdeckte ich an ihnen neue Schönheiten.

-Weißgrannen- 
Ich wagte es nicht zu glauben und ich sprach auch zu niemandem davon bis zu dem Tag, an dem, wie schon so oft, Zuchtfreund Werner Müller aus St. Gangloff zu uns kam. Ihn führte ich an den Stall: "Na, was haben wir denn da? Das ist ja was ganz Feines! Was ist denn, noch nicht nachgesehen? Da wollen wir doch gleich einmal!" Mit sicherem Griff nimmt er eines der Tierchen. Ich weiß, gleich wird er sagen: "Ein Rammler!" Ganz bestimmt werden es zwei Rammler sein - die breiten Köpfe: "Ein feines Rammlerchen", klingt es an mein Ohr, na also, das habe ich doch gewußt! Und das andere ist bestimmt auch ein Rammler. Da hat er das Tierchen: "Ist das ein widerspenstiges Ding - aberdas ist doch nicht möglich, soviel Glück auf einmal gibt es doch nicht - eine feine Häsin!"

Ein Freuen ist in mir! Zuchtfreund Müller drückt mir die Hand: "Ich gratuliere, sowas passiert nicht oft! Meinen herzlichen Glückwunsch! Wenn alles gut geht, können Sie nächstes Jahr die Neuzüchtung ausstellen!" Und dann hatten wir viel an den Kleinen vor uns auf dem Tisch festzustelllen, zu besprechen, Möglichkeiten abzugwägen, mittendrin sind wir im "Züchterischen".Bei dieser Gelegenheit bekommen die beiden Kleinen ihre Namen "Tristan" und "Isolde".

Das ist nun 10 Jahre her. Was in diesen 10 Jahren an mühsamer züchterischer Arbeit geleistet wurde, ist unvorstellbar. Ich würde es selbst nicht glauben, jedoch - die stattliche Reihe überquellender Ordner, Mappen, Hefter, Kataloge, Bewertungskarten und Deckscheinkontrollabschnitten spricht sehr deutlich für diese Arbeit. Der Erfolg wurde uns nicht geschenkt, deshalb möchte ich bei dieser Gelegenheit allen Zuchtfreunden danken, die durch ihre Arbeit zum Erfolg unserer Rasse beigetragen haben.

Besonderer Dank unserem Altmeister Ernst Heißner, Gotha, der sich als einer der Ersten der Weißgrannenzucht zuwandte und ihre Entwicklung fördern unterstützte.

Wir, die Gemeinschaft der Weißgrannenzüchter, wollen auch weiterhin an der Verbesserung unserer schönen Rasse arbeiten.

K.G.Geißler

(Kläre Geißler, in - Der Kaninchenzüchter - die älteste deutsche Fachzeitschrift für Kaninchenzucht, Herausgegeben vom Verlag Dr. F. Poppe, 63. Jahrgang, Leipzig, 15. Mai 1959, Nummer 14)


 
   
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